Was ist Dialog?


In Gesprächen miteinander sprechen wir oftmals von Diskussion und Dialog.
Diese Gesprächskultur ist aber meistens von einer aggressiven Strategie
geprägt. Wir wollen uns durchsetzten, Punkte machen, rhetorisch brillieren,
gewinnen.

Im hier gemeinten Dialog geht es darum, einen Gewinn für alle Beteiligen
durch neue Einsichten und Erkenntnisse zu erreichen. Er soll es ermöglichen,
den Vorraussetzungen, Ideen, Annahmen, Überzeugungen und Gefühlen von
Menschen auf den Grund zu gehen, die unterschwellig ihre Kommunikation
beherrschen.

Der so beschriebene Dialog ist weder Diskussion, Debatte noch Disput.
Diese haben die Tendenz, Dinge zu zerreißen, zu zergliedern, selbst wenn
sie mit dem Ziel begonnen werden, Gemeinsamkeit herzustellen. Der Prozess
des Dialogführens ist ein Mittel, um deutlich zu machen, wie unser Denken
abläuft; nicht nur das rationale Denken, welches die Realität nach historisch
geformten Paradigmen interpretiert, zergliedert und in Regeln fasst, sondern
auch das Feld der Emotionen, Gefühle, Wünsche, Absichten, Unterstellungen
und Ängste.

Es geht um Verständigung. Deshalb ist es wesentlich, nicht nur gesprächs-
bereit zu sein, sondern auch zuhören zu können, aber auch nachzudenken,
bevor man redet. Zuhören als Haltung, nicht wo kann ich widersprechen,
sondern was will der andere sagen. Das Ziel ist auch nicht auf ein sofortiges Einverständnis gerichtet, sondern man lässt sich anregen, erwartet geradezu
Widerspruch, um das eigene Argument zu prüfen. Es geht um die Klärung
einer gemeinsamen Sache und damit um eine gemeinsame Entwicklung
unter Wahrung der Individualität. Der Dialog erfordert kritische Partner, aber
eine konstruktive, freundliche Kritik.

Damit ist der Dialog nicht nur einfach eine Kommunikationsform, sondern
entwickelt unsere Werthaltung, unser Selbstbewusstsein und fördert das gesellschaftliche Miteinander.